Orgelgeschichte in der Pfarrkirche St. Pauls

Die Schwarzenbach- (1599) und Casparini-Orgel (1688)

Eine besondere Attraktion von St. Pauls ist die gotische Pfarrkirche, wegen ihrer Größe auch als „Dom auf dem Lande“ bezeichnet; ihr 89m hoher Turm ist beinahe im ganzen Überetsch sichtbar. Die Kirche wurde von 1461 bis 1552 erbaut, wobei der Chor den ältesten Teil darstellt, er wurde nach Bozner Vorbild als dreischiffiger Umgangschor gestaltet.
Die monumentale Fassade mit dem eingebauten Turm entwarf 1514 Meister Jakob Zwiesel aus Augsburg und schmückte sie mit dem architektonischen Reichtum der süddeutschen Spätgotik.

1599

Orgelbauer Hans Schwarzenbach aus Füssen im Allgäu wird beauftragt, eine Schwalbennestorgel in der Pfarrkirche mit 9 Registern, Voglsang und Hörpauken um den Preis von 600 fl. zu bauen. Sie wird an der Südwand des Chores auf 3 doppelten Kragsteinen 15 Fuß hoch auf einem Schwalbennest aufgebaut. Vier Blasbälge werden im Dachboden der Petruskapelle (= heutige Sakristei) aufgestellt. Über eine Stiege im Inneren der Petruskapelle stieg man über die Bälgekammer zur eigens dafür durchbrochenen Mauer über eine Tür zur Orgel und zum Spieltisch auf.

1609

die Orgel wird auf die neu errichtete Westempore versetzt. Vermutlich hat sie dabei Schaden gelitten, schon 1618 muss sie vom welschen Orgelmacher Lucio Valvassori gründlich überholt werden; weitere Reparaturen erfolgen durch Daniel Herz im Jahre 1670  und Sebastian Achamer (1674).

1689

Eugenio Casparini, ein berühmter Orgelbauer aus Schlesien, stellt auf der Westempore eine neue Orgel mit Rückpositiv und insgesamt 38 Registern auf, die Schwarzenbach-Orgel nimmt er in Zahlung, überholt sie und verkauft sie um 350 Gulden nach Auer, wo sie um 1690 in die alte Pfarrkirche nach St. Peter gebracht wird.
1982-1986 wird die Schwarzenbachorgel in Auer von Orgelbauer Pirchner aus Steinach in Tirol restauriert –heute ist sie die älteste erhaltene Kirchenorgel des Landes.

Die Caspariniorgel in St. Pauls wird als sehr kompliziert beschrieben, scheinbar war die Mechanik so schwer gängig, dass kaum ein Organist in der Lage war, diese Orgel richtig zu „schlagen“.
Im Laufe der Zeit finden an der Casparini Orgel viele Reparaturen statt; 1710, 1718 und 1724 durch den Orgelbaumeister Caspar Humpel (der sie leichter spielbar machte), 1742 nach einem Blitzschlag durch Orgelmacher Ignaz Franz Wörle, 1831 durch Orgelbauer Gröbner aus Innsbruck.

Die Reinischorgel (1895)

Im Zuge der Neugotisierung der Inneneinrichtung in der Pfarrkirche werden gegen Ende des 19. Jahrhunderts neue Altäre, neue Beichtstühle, eine neue Bestuhlung und neue Fenster angeschafft.

1895

Die Probleme mit der Orgel haben inzwischen einen derartigen Umfang angenommen, dass man sich für den Neubau der Orgel entscheidet. Den Auftrag dafür erhält Franz Reinisch aus Steinach am Brenner, der im Jahre 1895 eine 25registrige neue Orgel mit mechanischen Kegelladen und Barkermaschine liefert.

Reinisch verwendet bei seinem Neubau auch altes Pfeifenmaterial mit, laut Fachleuten auch noch zwei Register von der alten Casparini Orgel (Flauto amabile 8` und Gedeckt 8` im Hauptwerk). Man verzichtete damals auf die Wiederverwendung des alten Gehäuses - man strebte damals sehr nach „Stilreinheit“  und wollte die vorher durch den Orgelkasten verdeckte Fensterrose wieder freilegen. Der Entwurf sah eine Zweiteilung der Orgel (je drei C- und Cis-Laden) und freistehender Spieltisch in der Mitte vor.

Die 25registrige mechanische Kegelladenorgel verfügt über eine bemerkenswerte Vielfalt von 16`-,8`- und 4` Fuß-Registern, mit denen man sehr dynamisch den Bereich zwischen pp. und ff. abdecken kann, durch geschicktes Registrieren bemerkt man so den fehlenden Schweller kaum.

1998

Die Reinisch-Orgel (nahezu unverändert erhalten) wird von der Nachfolgefirma Reinisch-Pirchner restauriert, dabei werden die im 1. Weltkrieg eingebauten Zink-Prospektpfeifen durch Zinnpfeifen ersetzt.

Disposition der Reinisch-Orgel (1895):

1. Manual ( C-f3)

2. Manual (C-f3)

Principal

16'

Lieblich Gedeckt

16'

Principal

8'

Geigen Principal

8'

Gamba

8'

Dolce

8'

Salicional

8'

Traversflöte

8'

Flauto amabile

8'

Gemshorn

8'

Gedeckt

8'

Fugara

4'

Octav

4'

Rohrflöte

4'

Spitzflöte

4'

Rauschquint 2f.

2 2/3

Cornet 4-5f.

2 2/3

Mixtur 5f.

2'

Trompete

8'

 

 

Pedal (C-d1)

Tritte:

Subbass

16'

Anullierungstritt-mf-f-ff

Violonbass

16'

Flötenbass

16'

Koppeln:

Octavbass

8'

I. Manual - Pedal

Cello

8'

II: Manual - Pedal

Posaune

16'

III. Manual - I. Manual

 

 

Die Verschueren-Schwalbennestorgel (2002)

1998

In den 80er Jahren entsteht die Idee, an der ehemaligen Stelle der Schwarzenbach-Schwalbennestorgel (vorne rechts auf einem Balkon) wieder eine neue zu bauen.
Im Herbst 1997 entscheidet der Pfarrgemeinderat nach längeren Beratungen mit der diözesanen Orgelkommission und dem Verwaltungsrat der Pfarre, dieses einzigartige Projekt zu realisieren. Die niederländische Orgelbaufirma Verschueren aus Heythuysen wird beauftragt, eine neue Schwalbennestorgel mit insgesamt 21 Registern am historischen Bauplatz aufzustellen.

2002

Die Schwalbennestorgel wird in der Pfarrkirche auf dem neu errichteten Schwalbennest aufgestellt.

Der Zugang erfolgt wieder über die außen liegende Stiege und die ehemalige Bälgekammer, (heute Pfarrsaal), in der sich wieder die drei Keilbälge – mit Fußtrittanlage – befinden. Bei der Gestaltung des Orgelgehäuses war es sehr wichtig, das Instrument möglichst harmonisch, stimmig und mit einer von der Gotik inspirierten, jedoch sparsamen Ornamentik, in den Raum zu integrieren.
Die Orgel ist in jeder Hinsicht nach historischen Prinzipien gebaut worden, sowohl was die Bau- und Denkart betrifft, sowie auch die Wahl und Behandlung der Materialien. Das Gehäuse mit den Flügeltüren besteht aus massivem Eichenholz.
Die Tonhöhe ist bei a0 440 Hz (bei 18°Celsius). Der Winddruck beträgt 68 mm. Klanglich ist das Instrument vom Rheinländischen Orgelbau um 1670/1700 inspiriert. Die Stimmung erfolgte nach Bach/Kellner. Die Weihe erfolgte am 08.September 2002.

Disposition der Verschueren-Schwalbennestorgel (2002):

Hoofdwerk C-f3 (54 Töne):

Rugpositief C-f3 (54 Töne):

Bourdon

16'

Holpijp

8'

Prestant

8'

Prestant

4'

Roerfluit

8'

Fluit

4'

Octaaf

4'

Octaaf

2'

Quint

3'

Quint

1 1/2'

Superoctaaf

2'

Sesquialter 2 sterk

Cournet 4 sterk
(Discant ab cis1)

Scherp 4 sterk

Mixtuur 5 sterk
(inkl. Terts 1 3/5')

Cromhorn

8'

Trompet

8' (B./D.)

 

 

Pedaal C-d1 (27 Töne):

Koppeln:

Subbas

16'

Manuaal - Pedaal

Octaaf

8'

Rugpositief - Pedaal

Trompet

8'

Rugpositief - Manuaal D.

Claron

4'

Rugpositief - Manuaal B.

 

Nachtegaal (=Vogelsang)
Tremblant - für die gesamte Orgel
Hauptwerksmixtur mit zuziehbarem repetierenden Terzchor
Keilbalganlage mit drei Keilbälgen (mit Fußtrittanlage)
Bass- / Discantteilung: c1 – cis1
Stimmung der Orgel: Bach-Kellner 1/5'; Winddruck: 68 mm

 

 

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